Würdet ihr es nochmal wagen?

Im letzten Artikel habt ihr erfahren, wie zwei unserer Geschäftsführer ihre Rolle, die Herausforderungen und das „anders machen“ in der TraumFewo-Welt wahr nehmen. Ihr wollt noch mehr? Dann viel Spaß mit den ehrlichen und tief gehenden Antworten und Teil 2:

 

8. Worauf seid ihr besonders stolz?
Sebastian: Darauf, dass TraumFewo seit 17 Jahren am Markt ist – für ein Internetunternehmen eine krasse Ausnahme. Und es ging immer nach oben! Das ist schon cool!
Nico: Und dass wir immer weitergemacht haben! Alle 2-3 Jahre war wieder alles anders. Das ist anstrengend aber wir machen immer weiter! Und ich bin sehr stolz, dass wir in den Jahren wahrscheinlich Millionen Urlauber in Ferienunterkünfte gebracht haben, welche dort mit Ihren Kindern, Familien und Hunden eine traumhafte Zeit hatten. Platt gesagt: Wie viel Liebe wir erzeugt haben! Wenn man sich anguckt, wie viele Anfragen jeden Tag reinkommen und das mal hochrechnet, haben wir unglaublich viel Entspannung beschert. Ich bin sehr stolz auf diesen großen Effekt.
Und wir haben viele Einzelpersonen, die immer wieder das Zepter in die Hand nehmen. Es könnte noch viel mehr werden, aber es könnte auch viel weniger sein! Ich könnte viele Beispiele aufzählen und ich bin stolz, dass sich das etabliert hat. Einfach loslaufen und sagen: Das machen wir jetzt!

9. Was seht ihr als größte Errungenschaft unserer Art zu arbeiten, neben den eben erwähnten?
Sebastian: Entscheidungen werden da getroffen, wo es Sinn macht und schnell geht.
Nico: Häufig haben Leute Aufgaben erledigt, ohne dass klar war, was das Ziel oder die Strategie dahinter ist. Mittlerweile haben wir gelernt, unsere Vision, unsere Strategie, die Richtung in die wir gehen wollen, besser zu visualisieren. Es werden mehr Aufgaben gemacht, die wirklich Sinn machen. Das mussten wir erstmal alle lernen.

10. Wie haben sich eure Denk- und Handlungsweisen (in Bezug auf Vertrauen, Verständnis o.ä.) geändert? Seht ihr jetzt eventuell Dinge gravierend anders?
Nico: Total geändert! 15 Jahre zurück gedacht, waren meine Denkmuster so ausgelegt: Feuer sehen, Schlauch greifen, Feuer löschen. Meistens in 3 Stunden: Problem gesehen, programmiert, auf den Server hochgeladen. Extrem agil, extrem kraftvoll. Aber wir mussten lernen, Dinge abzugeben.
Genauso ist es mit der Re-Orga: das kam nicht ad hoc, sondern der Prozess hat ermöglicht, dass wir Dinge anders machen können. Es war nicht „buff“ und „neu“. Wir haben uns zum Beispiel auch schon 2013 „Coaches“ genannt – das war in der alten Struktur aber komisch und hat nicht funktioniert. Heute ist es natürlich, dass wir Coaches sind.
Das Grundvertrauen war immer schon da. Die erste Mitarbeiterin wurde bei zwei Gründern an den Tisch gesetzt und es war immer so „du machst das schon“. Teilweise war das vielleicht auch überfordernd, wenn man am ersten Tag gerade seinen Rechner hochgefahren hat und wir direkt sagten „geh mal ans Telefon“. Jetzt haben wir einen besseren Rahmen und Transparenzen, so dass wir das Grundvertrauen einfacher spielen können. Durch die besseren Prozesse und die Schärfung der Ziele und der Strategie haben wir einen besseren Überblick, sonst verliert man den bei den vielen Leuten auch leicht.
Sebastian: Dass man nicht mehr alles mitkriegt, ist aber nicht immer ganz einfach. Es ist super, dass wir es so machen, aber für mich ist es nicht ganz so einfach. Grundvertrauen habe ich auch, aber in manchen Situation geht das auch nach mal hinten los und ich verliere das Vertrauen in Einzelpersonen.

11. Was würdet ihr euch von den Mitarbeitern wünschen?
Sebastian: Die Kollegen sollten das Beste aus sich rausholen und auch mal den Schmerz, den inneren Schweinehund, überwinden. Das machen auch viele, aber generell müssen auch Sachen gemacht werden, die unangenehm sind und die das Unternehmen nach vorne bringen. Täglich muss man im Unternehmenskontext denken.
Nico: Gleiches Thema, andere Beispiele: Ich würde mir wünschen, dass wir mehr Mut haben kleinschrittiger vorzugehen. „Planung eines 6 Monats Projekts, erste Veröffentlichung und dann muss es perfekt sein“ – das wäre der Tod für uns. Fehler sind scheißegal, sie passieren – so what? Wir sollten weniger Angst vor Fehlern haben. Ich würde mich freuen, wenn wir ein Unternehmen werden, das sich über Perfektionisten totlacht. Wir müssen nichts perfektionieren, wir müssen einfach einen Mehrwert für unsere Kunden bieten. Done is better than perfect!
Sebastian: Dazu würde ich gerne ein Buch schreiben: „Einfach mal machen.“ Man muss nicht immer alles mit tausend Excel-Tabellen hinterfragen!

12. Was sind eure Ziele?
Sebastian: Ich würde mir wünschen, dass TraumFewo immer erfolgreich weiterläuft, dass wir anders bleiben und gegen die Großen bestehen. In Hinsicht auf die interne Struktur: dass ich eines Tages nicht mehr wiederkomme und es nicht auffällt. Ich würde mir wünschen, dass TraumFewo alleine läuft und ich mir keine Sorgen machen brauche. Seit fast 20 Jahren bin ich in diesem Riesenprojekt, da kommen leichte Verschleißerscheinungen auf (lacht). Hätte ich mir vor ein paar Jahren nicht vorstellen können, aber heutzutage schon. Vielleicht werde ich irgendwann Fischer oder Besitzer einer Autowerkstatt, wer weiß?! 😉
Nico: Auf lange Sicht ist eines klar: Wir beide sind irgendwann weg. Das wird passieren. So wie alle anderen auch irgendwann weg sind und es eine unglaublich doofe Vorstellung ist, dass das Unternehmen ein Jahr später auch weg ist. Deswegen wollen wir TraumFewo so aufstellen, dass alles noch 200 Jahre weiterleben kann.
Im Urlaub in Ischgl habe ich mal einen Trecker mit einer Schnee-Schaufel gesehen, die Schaufel wurde vom Unternehmen meines Opas produziert. Er hat seine Trecker-Schaufel-Fabrik aufgebaut, weil seine Schaufeln immer auseinandergebrochen sind. Das möchte ich auch: Dass meine Enkel und Urenkel in jedem Urlaub über TraumFewo stolpern.
Wir möchten uns so positionieren, dass die „Großen“ egal sind. Wenn du in einem Raum mit 3 großen Gorillas bist, tu nicht so als wärst du auch einer, sondern biete ihnen Bananen an.

13. Steht ihr voll und ganz hinter der Art, wie wir hier arbeiten? Wenn ja, warum?
Nico: Ja, zu 100 %. Weil es die Zukunft ist und so viele brachliegende Motivationen und Talente weckt. So entdeckt man Potentiale, wie es durch typische Managementprozesse gar nicht möglich wäre. Unser System hat einen Netzwerkeffekt, wir pushen uns gegenseitig. Das muss man erstmal lernen, in der Uni werden nur typische Management-Systeme gelehrt.
Sebastian: Ja, ich stehe dahinter. Wenn man die Schwierigkeiten während der Umstellung überwunden hat, ist es cool.
Nico: Bei der Frage, ob ich das jedem anderen Unternehmen empfehlen würde, sage ich meistens „Nein, auf keinen Fall. Und schon gar nicht alleine“. Die Organisationsform muss einfach zum Produkt und zur Unternehmenskultur passen. Das Ganze muss ein Dreiklang sein. Hast du zum Beispiel eine nicht passende Kultur: don´t do that! 😉
Sebastian: Die Umstellung würde ich auch in einem anderen Unternehmen nicht nochmal begleiten wollen. Wenn ich nochmal ein Unternehmen aufbauen würde, dann würde ich es aber definitiv mit dieser Art zu arbeiten tun.

14. Was war denn das Schlimmste an der Umstellung?
Sebastian: Wochenlange schlaflose Nächte und Verzweiflung, das ging schon teilweise sehr um einzelne Personen und damit auch an die Psyche.
Nico: Wir hatten in den 15 Jahren vor der Umstellung schon vorher einige Fehler gemacht, sind oft gegen die Wand gelaufen. Kurz nach der Umstellung sind dann einige Kollegen losgelaufen, haben sich Projekte genommen und Sebastian und ich haben vielleicht nicht sofort etwas davon gehört. Wenn es dann live ging und man wusste „das hast du vor 3 Jahren schon versucht und bist gegen die Wand gelaufen“ – das tat schon weh.
Man muss die Leute Fehler machen lassen und sich untereinander und das System kennenlernen lassen. Nur so konnten wir diese ganz andere Art zu Arbeiten schnell genug erlernen. Die ersten 1 – 2 Jahre waren heftig, einige haben sich eine blutige Nase geholt, aber das System hat gelernt.
Bei einigen zentralisiert geführten Firmen ist das wichtigste Wissen nur im oberen Kopf – und dieser Kopf hat womöglich Angst, ausgetauscht zu werden. Sobald dieser Kopf nicht mehr da ist, bricht die Firma wahrscheinlich binnen eines Jahres komplett zusammen. So klappt das nicht. Bei uns war es so, dass wir virtuell ja auch „weggetreten sind“, wir waren nur noch so halb da. Das hat man gemerkt und wir hatten dabei auch Bauchschmerzen. Aber es passierte viel mehr, manche Dinge hat man mitbekommen und man konnte sein Feedback einbringen. Aber es wurden auch Fehler gemacht und hieraus entstanden Lerneffekte, die mit uns als oberste Instanz gar nicht entstanden wären.

Vielen Dank für eure Zeit und die ehrlichen Worte!

Hier gibt es mehr spannende Einblicke in die Fehlerkultur von TraumFewo.

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